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Chancen und Herausforderungen, sich auf eine Zielgruppe zu spezialisieren – Folge 1: FKK Camping

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Jeder Campingplatz hat seinen eigenen Charme und seine Zielgruppen. Auch die umgebende Landschaft, Lage, Platzbeschaffenheit, Serviceeinrichtungen, das Klima und nicht zuletzt das Team und die Philosophie der Campingplatzbetreiber beeinflussen, welche Gäste sich auf dem Platz wohlfühlen.

Viele Urlauber haben besondere Interessen bei ihrer Freizeitgestaltung und entsprechende Ansprüche an ihren Campingplatz. Die Campingplätze, die diese Gäste mit einer klaren Ausrichtung, besonderen Angeboten und Dienstleistungen ansprechen, haben große Chancen, bevorzugt gebucht zu werden.

Ein weiterer Vorteil: Gäste, die einen besondere Camping- und Urlaubsstil schätzen und diesen auf dem Platz verwirklichen können, danken dies oft mit Weiterempfehlungen. Das geschieht offline im Gespräch mit anderen Gästen aus der Zielgruppe oder online in Bewertungen, auf Social Media, auf Camping- und Urlaubsportalen oder in speziellen Foren der Zielgruppe.

Die Spezialisierung auf eine Zielgruppe stellt den Campingplatz jedoch auch vor Herausforderungen: Denn sie kann bedeuten, dass andere Zielgruppen sich nicht (mehr) angesprochen fühlen. Dies gilt insbesondere für Zielgruppen mit besonders klaren Merkmalen wie FKK Camper.

Aus diesem Grund beginnen wir unsere Serie über spezielle Zielgruppen mit den Campingplätzen, die sich ganz oder zum Teil dem FKK Urlaub verschrieben haben.

FKK Camping – Marktnische, aber stark

Die Freikörperkultur kann polarisieren. Es gibt echte Fans, und es gibt Menschen, die sich nicht wohlfühlen, wenn sie selbst die Hüllen fallen lassen oder wenn sie bekleidet auf Naturisten treffen.

Laut einer YouGov Umfrage unter 2.053 deutschen Erwachsenen von 2021 verbinden etwa 40 % der Befragten Nacktheit mit Unbehagen, Scham und Peinlichkeit oder Hemmungen. Aber auch Offenheit, Natürlichkeit und Selbstbewusstsein sind für viele mit Nacktheit verbunden: Diese Aspekte wurden jeweils von etwa 30 % der Befragten genannt. Fast ein Viertel, 24 %, nennen den Aspekt Befreiung. Für immerhin noch je 17 % spielen Abwesenheit von Inszenierung und Alltagsflucht eine Rolle.

In der gleichen Studie wurde auch gefragt, wo die Deutschen schon einmal die Hüllen fallen ließen. Hier dominierte die Antwort Sauna und Wellness(-Bereich) mit 37 %. An Strand oder Badesee waren zusammengerechnet bereits 44 % schon einmal nackt. Immerhin 5 % gaben an, schon einmal nackt gecampt zu haben. Bei PiNCAMP finden sich von rund 14.500 Campingplätzen in Europa 254 Campingplätze, die sich als FKK Camping bezeichnen oder einen FKK Bereich haben.

Kompletter FKK Campingplatz, Mischform oder FKK nur am Strand?

Mehr als ein Drittel, nämlich 93 der 254 für FKK geeigneten Campingplätze, die auf PiNCAMP eingetragen sind, sind komplette FKK Campingplätze. Besonders in Frankreich ist „Naturisme“ mit den Werten Freiheit und Toleranz populär. Der Respekt vor allen anderen Gästen sowie ein Campingurlaub im Einklang mit Körper, Natur und Umwelt wird sehr geschätzt. Sonne, Strand, gesunde Luft, hochwertige Wellnessangebote und nachhaltiges Campingmanagement spielen eine große Rolle.

Unter den 93 reinen FKK Plätzen ist Frankreich derzeit mit 36 Campingplätzen am stärksten vertreten, gefolgt von Deutschland mit 11 und Kroatien mit 9 Campingplätzen nur für Naturisten. Beispiele für Campingplätze, die sich komplett auf die Zielgruppe FKK Urlauber eingestellt haben, sind die südfranzösische Domaine Naturiste de Bélézy, der FKK Campingplatz am Rätzsee in Mecklenburg-Vorpommern oder das Naturist Camping Ulika in Istrien.

Plätze mit Nicht-FKK und FKK Bereich oder mit Naturistenstrand

Weitere 63 der 254 Campingplätze (25 %) haben einen Nicht-FKK und einen FKK Bereich, wie das Camp Mlaska in Dalmatien oder der 5 Sterne-Campingplatz Le Sérignan Plage in Südfrankreich. Le Sérignan Plage spricht Nicht-FKK Gäste und FKK Gäste sogar über zwei Webseiten an: Le Sérignan Plage und Le Sérignan Plage Naturiste.

Der Großteil der bei PiNCAMP als FKK-geeignet eingetragenen Campingplätze, 94 von 254 Plätzen, bietet auf dem Platz kein FKK – aber am Strand. So weist zum Beispiel Ostseecamping Familie Heide in Schleswig-Holstein auf dem Lageplan im Web auf den FKK Strand hin. Bei den meisten dieser Campingplätze spielt FKK jedoch offenbar eine Nebenrolle: Der FKK Strand wird nur am Rande oder oft gar nicht erwähnt, sodass bei diesen Plätzen keine starke Ansprache der FKK Zielgruppe erkennbar ist.

FKK Campingplätze in Deutschland – im Osten und im Norden stark vertreten

In Deutschland fällt der hohe Anteil an für FKK geeigneten Campingplätzen in den ostdeutschen Bundesländern auf. FKK Camping war bereits in der ehemaligen DDR sehr beliebt, auch wegen des freiheitlichen Gefühls. Dieses Lebensgefühl scheinen sich viele Gäste und Campingbetreiber in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erhalten zu haben. Die PiNCAMP Liste der Top 12 FKK Plätze in Deutschland wird von Campingplätzen aus Ostdeutschland sowie auch aus Schleswig-Holstein dominiert.

An FKK interessierte Gäste suchen häufig gezielt nach geeigneten Campingplätzen

Ein FKK Campingplatz kann sich gezielt und effektiv vermarkten. Das geschieht zum Beispiel durch hochwertige Texte und „Keywords“ zum FKK Camping auf der eigenen Webseite, um in den Suchmaschinen gefunden zu werden. Auch Einträge auf den FKK Themenseiten der großen Campingportale sowie seriöses, zielgruppengerechtes Kommunizieren auf Instagram & Co. machen es möglich, potentielle FKK Campinggäste anzusprechen. Wer nicht komplett zum FKK Platz werden möchte, kann FKK Bereiche einrichten oder – einfacher umsetzbar – gezielt über FKK Strände und weitere Angebote kommunizieren.

Potential und Zielgruppe: mittelgroß

Umsetzbarkeit: aufwändig (der gesamte Platz oder ein Platzbereich sowie auch das Umfeld wie der Strand sollten für FKK geeignet sein)

Chancen: Naturisten können sich ihren Wunsch, überwiegend unbekleidet die Ferien zu genießen, nur auf Plätzen oder Platzbereichen erfüllen, die konsequent FKK anbieten. Auch ein FKK Strand und andere Freizeitangebote müssen, zumindest teilweise, auf FKK ausgerichtet sein. Campinganlagen, die all das in guter Qualität bieten, können mit großem Interesse sowie mit hohen Wiederholungs- und Weiterempfehlungsraten belohnt werden.

Herausforderungen: Wer auf FKK Camping setzt, spricht eine mittelgroße, aber doch sehr spezifische Zielgruppe an. Andere Gästegruppen, die nicht Fans der Freikörperkultur sind, werden keinen FKK Platz buchen. Campingplätze, die wiederum einen Naturistenbereich und einen Nicht-FKK-Bereich parallel betreiben möchten, müssen unter Umständen viel investieren, um diese „Trennung“ für beide Gästegruppen zufriedenstellend umzusetzen.

Zusammenfassung

Spezialisierung, zielgruppenspezifische Services und Kommunikation sind wichtig, um sich vom Wettbewerb abzuheben und Gäste zu begeistern. Andererseits kann eine zu starke Ausrichtung auf eine Zielgruppe dazu führen, dass sich andere Gästegruppen nicht (mehr) angesprochen fühlen und ihre Buchungen ausbleiben. Dies gilt insbesondere für Zielgruppen, deren Ansprache andere Zielgruppen ausschließen kann – wie zum Beispiel bei FKK und Nicht-FKK Campern.

Campingplatzbetreiber, die FKK Fans ansprechen möchten, müssen die Chancen und Risiken sorgfältig gegeneinander abwägen. Das ist umso wichtiger, weil Neuausrichtung oder Umgestaltung des Campingplatzes für FKK Urlauber aufwändig sind. Platzgestaltung, Strand oder Umgebung sowie das Marketing müssen die FKK Gäste begeistern. Gelingt dies, können Campingplätze in der Nische sehr erfolgreich sein.